Feministische Intervention und antirassistisches Engagement: Der Romnja Power Month

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Feministische Intervention und antirassistisches Engagement: Der Romnja Power Month

Aktivistinnen aus Berlin verbinden mit dem „Romnja Power Month“ den Internationalen Frauenkampftag mit dem Internationalen Roma-Tag und machen so deutlich: Feminismus und antirassistische Arbeit müssen Hand in Hand gehen.

Der einseitigen und problemorientierten medialen Darstellung von Roma und der Unsichtbarmachung der Perspektiven von Romnja* setzen die Aktivistinnen des feministischen Archivs RomaniPhen und IniRromnja aus Berlin nun schon zum dritten Mal den Romnja Power Month entgegen.

Mit der Veranstaltungsreihe, die jährlich zwischen dem 08. März und dem 08. April stattfindet, schließen die Aktivistinnen die Reihen zwischen den Kämpfen von Frauen um Gleichberechtigung und den Kämpfen von Roma gegen Diskriminierung und Verfolgung.

Isidora Randjelović ist Sozialpädagogin und Mitinitiatorin des Romnja Power Month. Da Rassismus als gesellschaftliches Verhältnis auch in der feministischen Arbeit eine Rolle spiele und umgekehrt, so Randjelović, ließen sich die Themen auch im Romnja Power Month nicht trennen.

„Der Romnja* Power Month ist unsere feministische Intervention gegen die gesamtgesellschaftlich entweder fehlenden oder sehr homogenen und rassistischen Bilder über Rom*nja“,ist in der aktuellen Veranstaltungsübersicht zu lesen. Beim Durchblättern des Programms bestätigt sich dieser Anspruch schnell; der Romnja Power Month ist alles andere als homogen. Die Veranstaltungsreihe umfasst Filmvorführungen, Lesungen, Podiumsdiskussionen, Begegnungen mit Bürgerrechtlerinnen sowie Konzerte, Theater und Comedy. Manche Angebote, wie die Begegnung mit den Bürgerrechtlerinnen Anita Awosusi und Ilona Lagrene am 14. März, richten sich ausschließlich an jugendliche Roma* und Sinti. Andere sind für ein breites politisch interessiertes Publikum offen, wie etwa die Podiumsdiskussion „Ban Racial Profiling“ am 17. März. Hier diskutieren Aktivistinnen* und Wissenschaftlerinnen* über den Umgang mit polizeilichen Kontrollen aufgrund von phenotypischen Merkmalen.

Um dem Anspruch auf Heterogenität gerecht zu werden, arbeiten die Initiatorinnen für den Romnja Power Month mit etwa 20 politischen Organisationen, Personen und Künstlerinnen zusammen. Allen gemein ist die Kritik an rassistischen Gesellschaftsstrukturen aus feministischer Perspektive.

„Wir brauchen unterschiedliche und gemeinsame Räume um uns den gesellschaftlichen Herausforderungen zu stellen, die uns als Gesellschaft nach Geldbeutel, Aufenthalt, Gender und Herkunft trennen“.

 Zwar habe, so Randjelović, weißer Feminismus wertvolle analytische Werkzeuge zur Gesellschaftskritik hervorgebracht, allerdings weise dieser auch erhebliche Praxis- und Theorielücken bezüglich rassistischer Verhältnisse auf. Um die sehr unterschiedlichen Gewordenheiten der Unterdrückung anzugehen, sind demnach verschiedene Feminismen notwendig. Feminismus aus der spezifischen Perspektive von Romnja bringt ihre Standpunkte und Sichtweisen in gesellschaftlichen Debatten ein.

Der Romnja Power Month geht aber über die reine Beanstandung der Verhältnisse hinaus:

„Wir wollen jenseits der Kritik am Rassismus bzw. Sexismus auch die Schönheit und die Gestaltungskraft unserer Menschen erleben und feiern.“

Mit dem vorgelegten Programm ist dies ganz sicher möglich. In diesem Sinne: Auf zum Frauenkampftag, auf zum Romnja Power Month!

Das komplette Programm des Romnja Power Month ist unter folgendem Link zu finden:

Power_Month_2018

IniRromnja

Die Initiative Rromnja ist ein Zusammenschluss von Berliner Roma-und-Sinti-Frauen, die nicht länger hinnehmen wollen, dass die Ablehnung von Roma und Sinti, Feindseligkeiten und Gewalt gegen Roma und Sinti verschwiegen, bagatellisiert oder gar gerechtfertigt werden. Rassismus jeglicher Form muss benannt und bekämpft werden – dafür setzen sich die Frauen dieser Initiative ein.

https://inirromnja.wordpress.com

RomaniPhenDas feministische Rromnja-Archiv produziert und archiviert in Zusammenarbeit mit der Initiative IniRromnja Ideen und Wissen aus feministischer Rromani Perspektive. Es ist eine digitale und reale Plattform für Rromani Texte, Analysen, Sichtweisen und Dialoge aus Vergangenheit und Gegenwart sowie internationale Perspektiven. Es beinhaltet Audio- und Video-Beiträge mit popkulturellen wie aktivistischen und wissenschaftlichen Inhalten.

http://www.romnja-power.de

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