Veranstaltungen im Januar

„Möglichst freiwillig“ – Filmvorführung
Am 23. Januar haben wir in einer Göttinger Berufsschule den Film „Möglichst freiwillig“ gezeigt. In dem Film geht es um Zijush, einen Roma-Jungen, der mit seiner Familie Deutschland „freiwillig“ verlässt, um nicht abgeschoben zu werden. Da er in Mazedonien nicht wieder zur Schule gehen kann, holen seine ehemaligen Mitschüler_innen ihn per Smartphone zurück in den Unterricht, damit er weiterlernen kann. Teilgenommen haben vor allem Schüler_innen und Mitarbeitende der Schule. In der anschließenden Diskussion ging es unter anderem darum, dass Deutschland nicht „alle aufnehmen könne“. Eine andere Schülerin fand diese Aussage absurd, da ein Kind das in Deutschland geboren wurde und aufgewachsen ist, nun mal hier zu Hause ist.

SOA

Gedenkveranstaltung am 27. Januar
Vor 75 Jahren befreite die Rote Armee das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Das Göttinger Bündnis zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus, zu dem wir gehören, organisiert daher jedes Jahr am 27. Januar die zentrale Veranstaltung der Bündnisreihe. Dieses Jahr war mit Katja Sturm-Schnabl eine Kärntner Slowenin als Zeitzeugin eingeladen. Im April 1942 wurden die slowenischen Bauernfamilien deportiert, um ihre Höfe an Deutschsprachige zu vergeben. Als Katja Sturm-Schnabl mit ihrer Familie ins Zwangsarbeitslager deportiert wurde, war sie sechs Jahre alt, ihre Schwester hat nicht überlebt.
Nach der Befreiung holte sie ihre Bildung nach und wurde Slawistin. Jedoch endete die Diskriminierung nicht mit dem Krieg. Bekanntlich blieben, wie in Deutschland, viele Nazis in ihren Ämtern, und „eigentlich sind die Slowenen diesem Staat, der sich als deutsch versteht, lästig“, wie Frau Sturm-Schnabl es formulierte.

27-01

Proben für Yag Bari haben begonnen
Die Theatergruppe des Roma Centers probt unter der Leitung von Luise Rist (boat people projekt) zurzeit an einem neuen Stück: Yag Bari. In dem Stück geht vordergründig um Regeln. Denn wir sind alle bestimmt von Regeln, die unsere Gesellschaft zusammen halten, die uns aber auch einengen können. Der Hintergrund des Stücks ist die Frage, wie frei wir sind in der Wahl unserer Freunde und Lieben, wie abhängig wir sind von der Meinung unserer Familien, unserer Herkunft. Kann ich zu jemandem stehen, wenn er oder sie gerade etwas in meinem Sinne Peinliches gesagt oder getan hat? Das Stück erzählt von keiner bestimmten Kultur, von keinem bestimmten Herkunftsland. Die Regeln in dem Theaterstück sind erfunden, und sie spiegeln, wie absurd komisch jede Regel erscheinen kann, wenn man sie nicht kennt, und wie demütigend es ist, wenn man nicht merkt, wo man eine Grenze unbewusst übertreten hat.
Am 8. und 9. Mai, 75 Jahre nach der Befreiung, finden die Aufführungen des Stücks auf der Bühne des boat people projekts statt.

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