Die Roma

Die Roma

brennender Wagen

Roma und Sinti werden in fast allen europäischen Nachschlagewerken erwähnt. Noch immer lassen sich die meisten Einträge unter den Begriffen Zigeuner, Gypsy oder Gitanos finden. Viele Angaben sind veraltet oder ungenau. Dies trifft vor allen auf Informationen über Anzahl, ethnische Herkunft, Lebensart sowie den Holocaust an den Roma und Sinti zu. Wichtige Fakten über das literarische Schaffen der Roma werden ungenau wiedergegeben oder fehlen ganz.

Die Quellen der verschiedenen Einträge über Roma verdienen besondere Aufmerksamkeit. Oftmals beziehen sie sich auf Werke, die keinen wissenschaftlichen Wert haben oder offen rassistisch sind. Jedoch sind beim Vergleich von Lexika aus der Zeit von 1950 bis 1980 mit Lexika, die nach 1980 erschienen sind, bezüglich der Roma wesentliche quantitative und qualitative Unterschiede festzustellen. Ein Beispiel dafür ist Knaurs Jugendlexikon aus dem Jahre 1953, in dem folgendes über die Roma zu finden ist: „Die Zigeuner sind ein Wandervolk indischer Herkunft. Meist hausen sie gruppenweise in Wohnwagen oder Zelten und ernähren sich von Hausieren, Betteln und Wahrsagen. Groß ist ihre musikalische Begabung. Auf der ganzen Welt gibt es etwa 2 Millionen Zigeuner. In Deutschland waren sie zwischen 1933 und 1945 schweren Verfolgungen ausgesetzt.“ Das Große Handlexikon in Farbe (Lexikon-Institut des Bertelsmann Lexikon Verlags) aus dem Jahre 1979 schreibt: „Zigeuner, eigener Name Rom, auch Manusch, ein unter allen Kulturvölkern (außer in Ostasien) verbreitetes Volk mit 1 bis 2 Millionen Angehörigen. Die Zigeuner stammen von niedrigen Kasten (Dom, Changar), Musikern und Tänzern in Indien ab. Im 14./15. Jahrhundert wanderten sie über den Balkan nach Europa ein. Ein Teil von ihnen lebt nomadisch oder halbseßhaft. Unter dem Nationalsozialismus wurden sie verfolgt.“ Im Brockhaus von 1981 wird zuerst die etymologische Herkunft des Wortes „Zigeuner“ und dann die thropologische und rassische Charakteristika der Roma/Sinti erklärt. Es wird behauptet, dass es insgesamt 5 bis 6 Millionen Roma und Sinti gibt. Für Polen werden 800.000 Roma angegeben, was das Zwanzigfache des wirklichen Wertes ist. Andererseits wird für Rumänien die Zahl 200.000 genannt, die in Wirklichkeit mit zehn multipliziert werden kann. Bei den Stammesnamen der Roma und Sinti werden nach wie vor oft Fehler gemacht. Der Exodus der Roma wird auf den Mongolensturm zurückgeführt, was nicht der Wahrheit entspricht. Die Zahl der Opfer im Zweiten Weltkrieg wird auf 250.000 bis 500.000 geschätzt. Einzelne Nachschlagewerke führen ihre Eintragungen nach 1980 nicht mehr mit der Bezeichnung „Zigeuner“ sondern unter „Roma“ oder „Sinti und Roma“. Die erste Veränderung dieser Art wurde in der Enzyklopädie des Jugoslawischen Lexikographischen Instituts in Zagreb 1987 vorgenommen. In den neueren Ausgaben des Brockhaus (z.B. 1993), sowie in anderen deutschen Nachschlagewerken wird ebenfalls die Bezeichnung „Sinti und Roma“ verwendet. Auch die Quellen wurden geändert, und es wird vorwiegend auf Grundlage historischer Tatsachen und fundierter Erkenntnisse über das kulturelle und gesellschaftliche Leben dieses Volkes berichtet. Dennoch herrscht nach wie vor ein erschreckender Informationsmangel über die politischen und kulturellen Entwicklungen bei den Roma.

Ein angemessenes Schema für die Vorstellung eines Volkes in einem Nachschlagewerk dürfte folgendermaßen aussehen:

  1. Name
  2. Anzahl und geographische Verteilung
  3. Sprache
  4. Geschichte
  5. Religion
  6. Gesellschaftliches Leben, Sitten und Gebräuche
  7. Kultur
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