8. April der Internationale Roma-Tag 2017

8. April der Internationale Roma-Tag  2017

Unter dem Motto Take Back the Future fand am 8. April der Internationale Roma-Tag statt. In der Nähe des Reichstags, unweit des Mahnmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma, begann um 14h die Kundgebung mit anschließender Demonstration durch das Regierungsviertel zum Brandenburger Tor. Vor dieser geschichtsträchtigen Kulisse widmeten sich die Beiträge der Redner_innen den Verfolgungen der Vergangenheit und den Diskriminierungen der Gegenwart, aber auch dem Kampf der Roma für Menschenrechte und Gleichberechtigung. Die Ignoranz der Politik, dafür Verantwortung zu übernehmen, wurde immer wieder betont.

Auf einen besonderen Tiefschlag in Sachen Menschenrechte wies Nizaqete Bislimi, Vorsitzende des BundesRomaVerbandes und Fachanwältin für Migrationsrecht hin – nämlich die Einrichtung von Sonderlagern (staatlicherseits euphemistisch als „Aufnahme- und Rückführungseinrichtungen“ bezeichnet) hin. In diesen Einrichtungen werden v.a. Roma durch Schnellverfahren geschleust, um sie, unter Missachtung grundlegender Rechte, möglichst schnell in für sie alles andere als „sichere Herkunftsstaaten“ abzuschieben.

Der Redner des Roma Antidiscrimination Networks bzw. von alle bleiben thematisierte den Kosovokrieg, der mit maßgeblich deutscher Beteiligung geführt wurde, und die damit einhergehende systematische Vertreibung der Roma. Unter fundamentaler Ignoranz der daraus resultierenden Verantwortung, haben viele Roma immer noch einen unsicheren Aufenthalt und werden nicht selten unangekündigt des Nachts deportiert. Dass Generationen in Angst aufwachsen müssen, soll endlich ein Ende haben.

Fatima Hartmann, die seit vielen Jahren in der Roma-Menschenrechtsbewegung aktiv ist, erinnerte an die Rede der Bundeskanzlerin bei der Einweihung des Mahnmals, in der Merkel bemerkte: „Sinti und Roma müssen auch heute um ihre Rechte kämpfen. Deshalb ist es eine deutsche und eine europäische Aufgabe, sie dabei zu unterstützen, wo auch immer und innerhalb welcher Staatsgrenzen auch immer sie leben. […] Möge [das Denkmal] uns mahnen, dass wir immer und zuerst die Würde des einzelnen Menschen zu achten haben, ganz gleich, wie er lebt, ganz gleich, woher er kommt […]“. Einen Tag später forderte Innenminister Friedrich schärfere Regelungen für Geflüchtete. Die Doppelzüngigkeit der Politik zeigt sich in diesem Widerspruch, zeigt sich in der Ignoranz gegenwärtiger Leiden und der Durchsetzung einer Asyl- und Migrationspolitik, die die Worte der Kanzlerin Lügen straft.

Für die historischen Verbrechen des deutschen Faschismus hat es nie eine Entschädigung gegeben. Während die Täter eine Rente erhalten haben, so der Redner des VVN, sei den Zwangsarbeiter_innen aus den Ghettos in Osteuropa diese mit der Begründung vorenthalten worden, sie hätten nicht lange genug Rentenversicherungsbeiträge gezahlt und daher keinen Rentenanspruch. Für eine Entschädigung der Überlebenden, die oft von Altersarmut betroffen sind, kämpft die Initiative Ghetto-Renten Gerechtigkeit Jetzt!

Musikalisch unterstützt wurde die Kundgebung von Hikmet und Kastro.

Bei einer Fotoaktion konnten die Teilnehmenden mitmachen und sagen, warum sie dafür sind, dass alle bleiben.

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