5. Religion

5. Religion

Als die Roma gezwungen waren, Indien zu verlassen, begannen ihre Glaubensvorstellungen abzubröckeln und machten Religionen der Völker Platz, denen sie für kürzere oder längere Zeit unterworfen waren. Häufig war die Frage des Religionswechsels für die Roma eine Überlebensfrage. Historisch und geographisch gesehen wurden sie zuerst von der zoroastrischen Lehre beeinflußt, die zur herrschenden Religion des Iran wurde. Die nächste Religion, durch die Glaubensvorstellungen der Roma beeinflußt wurden, war das Christentum, danach der Islam. So existieren heute regional gebunden sowohl muslimische wie christliche Roma. Indessen finden sich bei den Roma ebenfalls Spuren und Elemente aus verschiedenen Perioden des indischen religiösen Lebens. So bedeutet Devel in der Sprache der Roma Gott. Im Gebet nennen sie Gott Baro Devel, Großer Gott, und Samnalo Devel, Heller Gott (Die altindischen Literaturquellen bezeugen, daß suvarna eine Bezeichnung für Gansharva war, ein Gott, der am Himmelsgewölbe stand und die kostbare Soma (den Fruchtbarkeitstrank) hütete. Mit diesem Namen wurde auch Indra angesprochen). Shiva, der oberste Gott des Hinduismus, und die Bezeichnung seiner Waffe, trusul, Dreizack, ist bei den Roma ebenfalls bewahrt (Trusul bekam jedoch eine neue Bedeutung – Kreuz). Bei einigen Romastämmen ist auch der Glaube an den Kult von Druga oder Kali, Shivas Frau, erhalten geblieben. Beng ist in der Romasprache der Name des Teufels (etymologisch leitet sich dieser Name von vyanga ab, was im Sanskrit schmutzig, häßlich, Kröte bedeutet). Ein anderes Gebiet des Glaubens sind heilige Wesen, heilige Stätten und heilige Gegenstände, die von den Roma verehrt und wie Gottheiten angebetet werden. Ein besonderes Gebiet des Glaubens sind schließlich die Geister der Verstorbenen, die cohane.

Das Neujahrsfest der Roma: Die Feier des Roma-Neujahres, Vasilica, hat sich als religiöser Brauch auch bei den Roma des ehemaligen Jugoslawiens, besonders im Makedonien und Serbien erhalten. Für diesen Feiertag wird ein Kuchen gebacken, in dem dich eine Silber oder Goldmünze befindet. Bei der Verteilung dieses Kuchens ist derjenige Hausgenosse oder Gast, der die Münze erhält, bis zum nächsten Neujahrsfest der „Glücklichste“. Zu diesem Feiertag werden Gänse geschlachtet, nach ungeraden Zahlen, drei, fünf oder sieben. Nach dem Festmahl wird das neue Jahr am 15. Januar um Mitternacht begangen. Die Neujahrsnacht heißt phari rat (Schwere Nacht).

Das Bibi-Fest: Die religiösen Bräuche zur Feier der Göttin Bibi sind zweifellos indischen Ursprungs. Bei den Roma Serbiens z. B. übernimmt diese Göttin zentrale Merkmale der indischen Gottheit Durga und ihrer Emanation Kali (auch „göttliche Mutter“ genannt). Die Roma verehren sie als ihre Beschützerin, besonders der Kinder. Die Heilige Sarah ist Schutzpatronin der Roma in Frankreich und Spanien. Die Kirche Notre-Dame in Sainte-Marie de la Mer beherbergt die Statue von Kali-Sara.

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