3. Sprache

3. Sprache

Das Romanes ist die Sprache der Roma und Sinti. Es hat seinen Kern in Sanskrit. Nach Grundwortschatz und grammatikalischem System ist die Sprache der Roma (auch: romani chib) eine neuindoarabische (also indogermanische) Sprache.

 

In der Sprache der Roma gibt es acht Fälle. Die Deklination der Substantive beruht auf zwei Formen: der regelmäßigen (vom sanskritischen Nominativ oder Akkusativ) und der unregelmäßigen (aus dem saskritischen Genitiv abgeleitet). Eine kleinere Anzahl der Substantive endet auf –a, häufiger auf –o (Maskulinum) oder –i (Femininum). Das Neutrum gibt es nicht mehr. Im Plural lauten die Endungen –a oder –e. Die Adjektive enden auf –o (Maskulinum) oder –i (Femininum), im Plural auf –e. Bei der Konjugation gibt es drei Personen, zwei Numeri und fünf Zeiten (Präsens, Imperfekt, Perfekt, Plusquamperfekt und Futur). Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die romani-chib nur mündlich überliefert. In Sarajewo (Bosnien) wurden 1986 auf einem Symposium erste Konzepte zur Standardisierung dieser Sprache diskutiert. Der Vierte Weltkongress der Romani Union (1990) beauftragte eine internationale Arbeitsgruppe von Linguisten, Vorschläge für die Standardisierung des Alphabets und der Sprache zu unterbreiten. Die Sprache der Roma kann man an Universitäten in Prag, Njitra und Paris studieren. In mehreren Ländern sind Lehrmaterialien erarbeitet worden, um das Überleben der eigenen Sprache auch in den nachfolgenden Generationen unter dem hohen Assimilierungsdruck der westlichen Kultur zu sichern.

 

Die Erforschung der Roma-Sprache: Der älteste bekannte Text wurde im Jahr 1547 veröffentlicht. Er ist zweisprachig in der Roma-Sprache und in Englisch von Andrew Borde verfaßt. Borde gelang es aber nicht, die Herkunft der Roma-Sprache zu erklären. Jacob Carl Christoph Rüdiger schuf die Grundlage für die wissenschaftliche Erforschung der Herkunft der Roma (Von der Sprache und Herkunft der Zigeuner aus Indien, Leipzig, 1782). Heinrich Moritz Gottlieb Grellmann ist Autor des Buches „Die Zigeuner“. Ein historischer Versuch über die Lebensart und Verfassung, Sitten und Schicksale dieses Volkes in Europa, nebst ihrem Ursprunge (Dessau/ Leipzig, 1783). August Friedrich Pott verfaßte eines der bedeutendsten Werke über Sprache der Roma, Zigeuner in Europa und Asien (Halle, 1844/45). Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte die „Krönung“ der Romani-Philologie zur neuen Wissenschaft: Franz Miklosich, Professor an der Wiener Universität, veröffentlichte zwischen 1872 und 1881 etwa zehn Studien über die Sprache und die Dialekte der Roma. Im Jahre 1926 erschienen zwei weitere Standardwerke zur Romani-chib. Ralph L. Turner erforschte in „The position of Romani in the Indo-Arian“ die Stellung der Romanes in der indischen Heimat. John Sempson verdanken wir mit „The Dialect of the Gypsies of Wales“ die Differenzierung der Romani-chib in die Ben- bzw. südöstliche Gruppe und die Phen- oder europäische Gruppe. Damit unterschied er die Sprache nach den beiden Grunddialekten, die sich mit der Einwanderung nach Europa ungefähr seit den 12. Jahrhundert gebildet haben. Die Einteilung hat bis heute ihre Gültigkeit behalten.

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